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Tara Meister
Medizinerin / Autorin
Das Recht selbst über den eigenen Körper bestimmen zu können, ist seit jeher eine zentrale Forderung der Frauenbewegung. Im Fokus stehen dabei- nach wie vor aktuelle- Themen wie sexualisierte Gewalt an Frauen, Female Genital Mutilation oder Schwangerschaftsabbruch. Auch die Gesetzgebung zu Transsexualität macht das Thema gesamtgesellschaftlich aktuell, wenn es beispielsweise um die Altersbegrenzung für geschlechtsumwandelnde Operationen geht.

Seit 1975 gibt es in Österreich, trotz des Volksbegehrens „Schutz des menschlichen Lebens“, das damals fast 900000 Unterschriften verzeichnete, die Fristenlösung für den medizinischen Schwangerschaftsabbruch.

Vor ziemlich genau einem Jahr trafen die Bürgerinitiativen #fairändern und #keinenmillimeter aufeinander- Thema war unter anderem eine Verschärfung der Ausnahmen von der Fristenlösung was die späte Abtreibung bei Diagnose von schweren Behinderungen betrifft, sowie die Forderung einer verpflichtenden Bedenkzeit. Als eines von vielen zeigt dieses Beispiel wie gespalten die Meinungen zu dem Thema nach wie vor sind und wie nach wie vor um bereits erlangte Rechte immer wieder neu gebangt werden muss. In vielen Ländern dieser Welt sehen wir rückschrittliche Tendenzen was die reproduktiven Rechte von Frauen* betrifft. Wir wissen aus Statistiken: Abtreibungen werden durchgeführt- in Ländern, die es verbieten nicht weniger als in Ländern, in denen es auf legalem Weg passiert. Illegale Abtreibungen unter erschwerten Bedingungen können fatale Folgen haben, somit geht es bei der Legalisierung von Abtreibung vor allem um den Schutz von Frauen und ihren Körpern. Leider führt moralische Infragestellung von Schwangerschaftsabbruch dazu, dass trotz der Fristenlösung eine Tabuisierung vorherrschend ist: Frauen sprechen wenig über ihre Erfahrungen, MedizinerInnen werden in ihrer Ausbildung so gut wie nicht damit konfrontiert, wenige Institutionen bieten den medizinischen Eingriff auf Wunsch an.

(Für Interessierte empfiehlt sich das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch in Wien).

Mit Abtreibung allein ist das Thema von Selbstbestimmung über den eigenen Körper natürlich nicht vom Tisch. Wenn man sich mit der politischen Einflussnahme auf die Körper von Frauen* beschäftigt, dann muss man sich auch Fragen stellen wie: Welche Rolle spielt(e)die Politik dabei wie mein Körper wahrgenommen wird? Ist das Schönheitsideal, das heute Druck auf mich und meinen Körper ausübt politisch? Ist es politisch, dass mein Freund selbstverständlich davon ausgeht, dass ich die Pille nehme und bezahle? Ist es politisch, wenn ich mir die „Schamlippen“ (Vulvalippen) verkleinern lasse?

Durch meine vier jüngeren Schwestern, meine sexualpädagogische Arbeit mit Jugendlichen über das Projekt „achtung°liebe“, und meinen Wunsch, später einmal als Frauenärztin zu arbeiten, beschäftigen mich diese Themen sehr. Ich hoffe, mich in Zukunft noch viel mehr darin vertiefen zu können, um in ein paar Jahren sinnvolle Arbeit in diesem Gebiet zu leisten.

Auch wenn sich das Stück Höhlenbrüter nicht ausschließlich auf diese Themen konzentriert, war es mir und ich denke auch dem Team, wichtig, aufzugreifen, dass es, was das Recht der Frauen* über ihren Körper betrifft, noch viel zu tun gibt und in den unterschiedlichsten Bereichen Sensibilisierung notwendig ist.